Highlights im kulturellen Herbst der MBS
"Schulen im Trialog" - auch an der MBS

Unter diesem Titel - mit dem Zusatz Europäische Identität und kultureller Pluralismus - hat die Herbert-Quandt-Stiftung einen bundesweiten Wettbewerb für Schulen ausgeschrieben. Den drei ersten Gewinnern winken Preise zwischen 15.000 und 35.000 €.

Die Martin-Buber-Schule hatte ihr Projekt Viel Wirbel um ein Stück Stoff - Christen, Muslime und Juden im Gespräch eingereicht. Die Jury hat es bereits in die engere Auswahl genommen - was bedeutet, 3.500 € als Startgeld zu erhalten.

Erfolg spornt an!
Mit Volldampf startet nun unser Projekt mit allen Zehntklässlern aus den Religions- und Ethikkursen in das neue Schuljahr. Auch zwölf Lehrerinnen und Lehrer bilden sich speziell für diesen Projektunterricht fort; ihre Lehrer sind dabei Experten auf dem Gebiet des Islams, des Christen- und des Judentums, aber auch im Schreiben und Aufführen von Rollenspielen.

Schon auf den vorbereitenden Sitzungen begann ein spannender und mitunter geradezu hitziger Trialog zwischen den Vertretern der verschiedenen Religionen und denen des Vorbereitungsteams. Nur die dafür verfügbare Zeit setzte ihm Grenzen. Es steht zu hoffen, dass sich Begeisterung und Engagement dieses Teams auch auf die Zehntklässler übertragen und eine ähnlich temperamentvolle Diskussion in Gang setzen werden. Über Allem steht die eiserne Spielregel: keine Religion ist die bessere, alle drei stehen gleichberechtigt nebeneinander.

Was lernen die SchülerInnen?
Am Anfang erfahren sie, dass alle drei Religionen einer gemeinsamen Wurzel entspringen: Abraham. Er gilt als der Begründer des so genannten Monotheismus, gemäß dem es nur einen Gott gibt und keine Vielzahl von Göttern - so illustriert es auch die Geschichte, in der Abraham alle Götzen seines Vaters zerschlägt und den einen einzigen Gott postuliert.

Bei aller Gemeinsamkeit der Religionen trifft man bei ihnen gleichwohl auf unterschiedliche Anschauungen und Sichtweisen, deren Grundzüge es im Unterricht zu vermitteln gilt. Diese Aufgabe fällt im Projekt dem "Abrahamschen Team" zu, das außerschulische Vertreter der drei Religionen zusammenführt. Mit ihren Ausführungen - etwa, was ihnen an ihrem Glauben wichtig ist, wie sie ihn leben, aber auch, welche Konflikte sie er-leben - werden sie eine lebendige Brücke zur Gegenwart bauen. Aber auch umstrittenen Themen (wie Kopftuch-Tragen, Mischehen, Stellung der Frau, Sexualität u.a.m.) werden sie nicht ausweichen, sondern sich offen und ehrlich dazu äußern.

Krönender Abschluss
des Projekts werden ein Rollenspiel, eine Podiumsdiskussion und ein gemeinsames Abschluss-Essen sein. So könnte in dem von Schülern zu entwerfenden Spiel vielleicht ein türkischer Gemüsehändler - Vater dreier Töchter und zweier Söhne - auf der Bühne einer im Kirchenvorstand aktiven Mutter dreier Kinder, einem katholischen Sozialarbeiter, einem jüdischen Familienvater, einer religiös nicht gebundenen, allein erziehenden Krankenschwester oder vielleicht einem Schüler im Gespräch begegnen...

Auch das gemeinsame Essen und Trinken soll nicht reiner Selbstzweck sein; denn es wird die Speisevorschriften der drei Religionen befolgen und sie so für alle Beteiligten augenfällig widerspiegeln.

Alles wirkliche Leben ist Begegnung - das Leitbild der Martin-Buber-Schule - wird auch unserem Projekt seinen Stempel aufdrücken.
Heidrun Beitze