Siebtklässler im Sog von Margret Steenfatt
Autorinnen-Lesung an der MBS


Ende Januar gab es für uns Siebtklässler ein bisschen Abwechslung im sattbekannten Stundenplaneinerlei. Aus Hamburg war die bekannte Schriftstellerin Margret Steenfatt zu Besuch in die Martin - Buber - Schule gekommen. Frau Steenfatt ist vor allem mit ihrem Jugendbuch "Nele" sehr erfolgreich geworden. Vor jeweils zwei siebten Klassen stellte Frau Steenfatt sich selbst als Schriftstellerin und auch ihr neues Buch vor. Es heißt "Hass im Herzen - im Sog der Gang" aus dem Rowohlt Verlag und behandelt die Aktionen einer Jugendgang namens "Killing Detectives". Der Jugendliche Tono ist fasziniert von den gefährlichen und spannenden Aktionen der Gruppe, zu denen Mutproben, Schmierereien, Sachen klauen und Prügel gegen rivalisierende Banden gehören. Als die Gang mit ihrer Aktion gegen Ausländer und mit Gewalt gegen Mitschüler und Lehrer immer tiefer in den Sumpf von Verbrechen und Nazi - Propaganda gerät, wendet sich Tono ab und befreit sich aus dem Sog der Gang.

Uns Schüler hat es toll gefallen, dass die Autorin nicht nur spannende Szenen vorgelesen hat, sondern uns in die Geschichte durch Fragen und Weiterfantasieren einbezogen hat. Sie wollte unsere Neugier wachhalten und ließ uns selbst darauf kommen, was zwischen den vorgelesenen Szenen so alles passiert sein könnte. Deshalb kam es teilweise zu lebhaften Diskussionen und gestört hat eigentlich kaum einer.

Für uns war aber auch interessant, dass die Autorin uns erzählte, wie sie selbst früher in einer Gang in Hamburg mitgemacht hatte. Völlig neu für uns war, wie aufwendig es ist, solch ein Buch zu schreiben. Frau Steenfatt hat für ihr Buch zwei Jahre gearbeitet, davon allein ein Jahr für Recherchen. Recherchen sind Vorarbeiten, Befragungen, Informationssuche, in ihrem Fall bei krassen Typen aus der Gewaltszene. Einmal hat sie im Amsterdamer Bahnhof einen Jugendlichen befragt, der im Innenfutter seiner Jacke alles voller Waffen hatte. Oft hat sie sich unterwegs verkleidet, um nicht aufzufallen in der Szene und um an Informationen heranzukommen. Ein gewagter Job, finden wir! Dass man es in ihrem Beruf nicht leicht hat, erkannten wir Schüler auch daran, dass das Bücher schreiben allein nicht ausreicht, um genug Geld zu verdienen. Wenn der Kunde ein Buch für 10 DM kauft, dann bekommt die Autorin höchstens zwischen 0,60 und 1,00 DM Arbeitslohn, der Rest verbleibt bei den Verlagen. So müssen für Frau Steenfatt Autorenlesungen z. B. dazukommen. Wir konnten erleben, wieviel Spaß ihr das allerdings machte und wie interessant solche zwei Schulstunden in der Aula für uns waren.

Es ist deshalb kein Wunder, dass viele Schüler ihre Bücher vom Büchertisch in der Aula wegkauften (Frau Steenfatt hatte sie auch signiert) und die Klasse 7e beschloss spontan, das Buch im Deutschunterricht zu lesen.
Tanja Schnitzspan, Karina Krämer, Nadja Prokop (7c)