Neue Stundentafel - Begründung fehlt

Die Landesregierung hat vor, nach Schulformen getrennte Stundentafeln zum Schuljahresbeginn zu verordnen. An der Diskussion waren nur wenige beteiligt. Verbände und der Landeselternbeirat wurden gehört, aber nicht die Schulen. Da es zu den Pflichten von Beamten gehört, den Dienstherrn zu beraten, hat die Martin-Buber-Schule eine Stellungnahme abgegeben. Die wesentlcieh Argumente seien hier skizziert:

Zu einem Zeitpunkt, an dem die Martin-Buber-Schule schon Planung für das neue Schuljahr begonnen hat, soll eine neue Ausgangslage geschaffen werden. Das setzt uns unnötig unter zusätzlichen Zeitdruck und läßt keinen Raum für inhaltliche Bearbeitung. Wir wollen die Kinder bzw. Jugendlichen in ihrer persönlichen Entwicklung zu fördern und den Antworten auf die Anforderungen der modernen Gesellschaft hin entwickeln. Dazu gehört auch inhaltlich fundierte Planung und jede Veränderung braucht, will sie gelingen, ihre Zeit

Es ist für uns als IGS nicht nachzuvollziehen, dass in Zukunft statt einer vier verschiedenen Stundentafeln für die Jahrgänge 5 - 10 gelten sollen. Damit wird nicht nur die Unübersichtlichkeit des deutschen Bildungswesen erhöht, die Schulformen werden untereinander schlechter "kompatibel". Die Integrierte Gesamtschule hat bisher - unabhängig von anderen Aufgaben - in Groß-Gerau, für viele Schülerinnen und Schüler, die teils freiwillig, teils unfreiwillig zwischen Martin-Buber-Schule und anderen Schulformen unterwegs sind, die Übergänge ermöglicht. Es macht aus unsere Sicht wenig Sinn, diese Wechsel noch weiter zu erschweren.

Stundentafelprobleme wären im Zusammenhang mit der Schulprogrammarbeit der Martin-Buber-Schule besser zu lösen, wenn die Flexibilität für die einzelne erhöht worden wäre. Die Konzentration auf größere Stundeneinheiten böte die Chance zu methodischer Vielfalt. Im übrigen kann hierbei ein Modernisierungsrückstand der Schule aufgeholt werden; es sollten Einzelfragen der Wissenschaft "vernetzt" werden.

Jede allzu detaillierte Stundentafelorganisation verhindert diese übergeordneten Zielsetzungen und auch die verantwortliche Übernahme des Bildungsauftrages durch die Lehrerinnen und Lehrer. Deshalb wäre es zu begrüßen, wenn eine Stundentafel nur Rahmenvorgaben enthielte, die ein gemeinsames Fundament im Bildungsbereich sichern.

Der Auftrag der Schule, die Schüler auf die moderne Berufswelt vorzubereiten, wurde bisher maßgeblich durch das Fach Arbeitslehre realisiert. Dies ist durch die Kürzung der Stundentafel, durch die Verlagerung auf die Jahrgänge 9 und 10 und die damit einhergehende Reduzierung der Inhalte auf wirtschaftliche Zusammenhänge und durch die nicht mehr gesicherte Vermittlung von grundlegenden informationstechnologischen Kenntnissen in Frage gestellt.

Es fehlt in der neuen Stundentafeln die Zukunftsorientierung, weil nicht erkennbar, wo
- die systematische Einführung der Schülerinnen und Schüler in die Informationstechnologien erfolgen soll,
- die Schule den Schülerinnen und Schüler hilft, sich für eine Bildungslaufbahn, für einen Beruf zu entscheiden, bzw. im Vorfeld einen Einblick in ihre zukünftige Lebenswelt und dabei ihren Berufsweg zu finden.
Das System Schule sollte von übergeordneten Gesichtspunkten her gestaltet werden, wie
- Orientierung an gesellschaftlichen Notwendigkeiten
- höchstmögliche Entwicklung der individuellen Leistungsmöglichkeiten
- Verstärken und zielgerichtete Förderung der Fähigkeiten
- kulturelle Standards zu vermitteln usw (vgl. die § 2 u. 3 Hessisches Schulgesetz).

Zusammenfassend ist festzustellen, dass die Einführung neuer Stundentafeln nicht begründet ist. Es wäre deshalb zu begrüßen, wenn die Landesregierung erst einmal einen intensiven Diskussionsprozeß ingang setzen würde. Vielleicht ist unser Bericht dazu ein Anstoß?
Hans-Peter Kirsten-Schmidt